Robert Longo
Die Medialität der Zeichnung und die Bildanalyse historischer Krisen im Werk von Robert Longo
Der US-amerikanische Künstler Robert Longo (geboren 1953) zählt als zentraler Akteur der Pictures Generation zu den prägendsten Vertretern der Gegenwartskunst. In seinen monumentalen, hyperrealistischen Kohlezeichnungen dekonstruiert er mediale Bildwelten und schafft visuelle Chiffren für gesellschaftliche Machtstrukturen sowie kollektive Mythen der Moderne. Diese künstlerische Entwicklung und medienübergreifende Praxis wird vom IKS Düsseldorf (Institut für Kunstdokumentation und Szenografie) bereits seit dem Jahr 2002 kontinuierlich filmisch begleitet, beginnend mit der institutionellen Rezeption des „Freud-Zyklus“ im Museum Haus Lange in Krefeld.
Die prozessualen und methodischen Grundlagen seines Werks wurden unter anderem 2009 in der Galerie Hans Mayer in Düsseldorf offengelegt. Dort präsentierte Longo neben aktuellen Arbeiten auch das primäre fotografische Quellenmaterial aus dem Jahr 1980, das als konzeptionelle Basis für seine berühmte Serie „Men in the Cities“ diente. Diese Aufnahmen dokumentieren den gezielten Übergang von der Fotografie zur Zeichnung: Durch die physische Übertragung flüchtiger, inszenierter Fotografien von abrupten Körperzuckungen in den langwierigen, materiell dichten Prozess der Kohlezeichnung überführt Longo das Ausgangsmedium in eine monumentale, fast skulpturale Bildform.
Eine epochenübergreifende Erweiterung dieses bildanalytischen Ansatzes zeigte sich in der Ausstellung „PROOF“ (2018 in den Deichtorhallen Hamburg), die von Kate Fowle in Zusammenarbeit mit dem Künstler kuratiert wurde. Die Schau stellte Longos Arbeiten in einen diachronen Dialog mit den Radierungen von Francisco Goya (1746–1828) und den Revolutionsfilmen von Sergei Eisenstein (1898–1948). Alle drei Positionen eint das Bestreben, als Chronisten ihrer jeweiligen Epoche zu agieren und tiefgreifende historische Krisen – von den napoleonischen Kriegen über die Russische Revolution bis hin zu globalen Konflikten des 21. Jahrhunderts – visuell zu reflektieren. Longos Großzeichnungen verlangsamen dabei den massenmedialen Bildkonsum und zwingen durch ihre materielle Präsenz zu einer analytischen Betrachtung der dokumentierten Realität.
Ein Dokumentarfilm von Ralph Goertz über den Künstler soll 2027 erscheinen.
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Foto: Ralph Goertz © IKS-Medienarchiv

