social media
Institut für
Kunstdokumentation und
Szenografie
Navigation

Mark Dion




Mark Dion. OCEANOMANIA

 

Der US-amerikanische Konzept- und Installationskünstler Mark Dion (*1961 in New Bedford, Massachusetts) zählt zu den maßgeblichen Vertretern der Gegenwartskunst, dessen Œuvre sich an der Schnittstelle von bildender Kunst, Naturwissenschaften und Institutionskritik bewegt. Seit Mitte der 1980er Jahre untersucht Dion die Repräsentation von Natur innerhalb wissenschaftlicher und musealer Diskurse. Seine ortsbezogenen und konzeptionellen Installationen greifen häufig auf die Ästhetik und Struktur historischer Naturkundemuseen, Labore sowie archäologischer Forschungsstätten zurück. Dabei dekonstruiert er etablierte Klassifizierungssysteme und hinterfragt kritisch, wie menschliches Wissen über die natürliche Welt generiert, hierarchisiert und ideologisch instrumentalisiert wird.

 

Im Frühjahr und Sommer 2011 realisierte Mark Dion in Monaco ein interinstitutionelles Ausstellungsprojekt unter dem übergeordneten Titel OCEANOMANIA: Souvenirs of Mysterious Seas, from the Expedition to the Aquarium. Das konzeptionelle Fundament des Projekts bildete die kritische Gegenüberstellung zweier konträrer maritimer Ereignisse der jüngeren Zeitgeschichte: dem wissenschaftlich ambitionierten Census of Marine Life (2010) sowie der ökologischen Katastrophe der Deepwater Horizon-Ölbohrplattform. Das Vorhaben erstreckte sich über zwei prominente Ausstellungsorte des Fürstentums und verknüpfte kunsthistorische Exponate mit meereskundlicher Forschung.

 

Die erste Station manifestierte sich im Musée Océanographique de Monaco. Hier entwickelte Dion basierend auf intensiven Archivrecherchen eine monumentale, ortsspezifische Intervention in Form eines monumentalen Kuriositätenkabinetts. Mit einer Höhe von 10 Metern und einer Breite von 18 Metern entstand die größte jemals konzipierte marine Wunderkammer. Dion arrangierte darin eine Vielzahl vergessener und seltener Sammlungsstücke aus den Beständen des von Fürst Albert I. gegründeten Instituts, darunter historische Tauchanzüge, Präparate wie einen Eisbären sowie filigrane Skelette und Fossilien. Die Installation thematisierte das historische Bestreben des Menschen, die Ozeane zu katalogisieren, und transformierte die wissenschaftlichen Sammlungsbestände in ein ästhetisiertes, epistemologisches Schaurad.

 

Parallel dazu bespielte Dion die Villa Paloma, einen zentralen Ausstellungsraum des Nouveau Musée National de Monaco (NMNM). Im dortigen Salle aux Trésors kuratierte er eine eklektische Gruppenausstellung, die sich der künstlerischen Rezeption des maritimen Lebens widmete. Die Schau führte Werke namhafter Künstler wie Bernard Buffet, Matthew Barney, Man Ray und Lucio Fontana zusammen und konfrontierte diese mit selten gezeigten Exponaten der Meereskunde sowie ozeanischen Landschaftsdarstellungen von Claude Monet.

 

Der komplexe Aufbau und die transformative Genese dieser beiden korrespondierenden Ausstellungen wurden im Jahr 2011 von Ralph Goertz filmisch dokumentiert. Die entstandene Filmdokumentation, die in Kooperation mit dem Museum Ostwall in Dortmund für die Reihe talking about art produziert wurde, leistet einen wesentlichen Beitrag zur Rekonstruktion von Dions künstlerischer Praxis. Sie macht den administrativen und handwerklichen Prozess des Sichtens, Auswählens und Neu-Anordnens musealer Objekte im Dialog mit dem Künstler erfassbar und sichert diese temporäre Synthese aus Kunst und Wissenschaft für die kunsthistorische Forschung.









Fotos: Ralph Goertz © IKS-Medienarchiv

facebook youtube Vimeo Instagram