Richard Long
Die Prozessualität der Land Art im Werk von Richard Long: Das „RHEIN MUD LABYRINTH“ im Museum Kurhaus Kleve
Der britische Konzept- und Land-Art-Künstler Sir Richard Long (geboren 1945 in Bristol) zählt zu den prägendsten Protagonisten der internationalen Kunstgeschichte des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Seit den späten 1960er-Jahren hat er den skulpturalen Begriff grundlegend erweitert, indem er das Gehen, die zeitliche Dauer sowie die physische Bewegung in der Natur als primäre künstlerische Medien etablierte. Longs minimalistische Interventionen greifen auf universelle geometrische Grundformen wie Linien, Kreise oder Spiralen zurück, die er aus vorgefundenen Naturmaterialien wie Steinen, Treibholz oder Schlamm formt. Sein international rezipiertes Werk ist weltweit in allen maßgeblichen öffentlichen und privaten Sammlungen repräsentiert.
Einen bedeutenden Bezugspunkt im kontinentaleuropäischen Raum bildet das Museum Kurhaus Kleve, mit dem den Künstler eine langjährige institutionelle Kooperation verbindet. Anlässlich der im Jahr 2013 realisierten Ausstellung „Richard Long. Prints 1970–2013“, welche erstmals sein druckgrafisches Œuvre umfassend zusammenführte, schuf der Künstler eine ortsspezifische, monumentale Wandarbeit im Innenraum des Museums. Diese unter dem Titel „RHEIN MUD LABYRINTH“ registrierte Arbeit verdeutlicht exemplarisch den konzeptionellen Transfer landschaftlicher Prozesse und Materialien in den musealen Raum.
Der Entstehungsprozess der Wandarbeit basiert auf einer zeitlich verdichteten, physischen Intervention. Long applizierte hierfür eine Emulsion aus lokalem Rheinschlamm und Wasser direkt mit den Händen auf eine vorbereitete, dunkle Wandfläche. Die resultierende Struktur kontrastiert die architektonische Strenge der Institution mit der amorphen, sedimentären Dynamik des Naturmaterials. Durch den anschließenden Trocknungsprozess bricht die Oberfläche reliefartig auf, wodurch der Flusslauf, das Materialverhalten und die unmittelbare Geste des Malaktes dauerhaft eingeschrieben bleiben. Das Werk ging als Schenkung des Künstlers permanent in die Ewald Mataré-Sammlung des Hauses über.
Die Genese dieses Schaffensprozesses im Museum Kurhaus Kleve wurde exklusiv vom IKS und Ralph Goertz filmisch begleitet. Das entstandene visuelle Material leistet einen wesentlichen Beitrag zur kunstwissenschaftlichen Forschung und Vermittlung der Land Art. Es dekonstruiert die prozessuale Arbeitsweise von Richard Long, indem es die physische Dynamik, die handwerkliche Präzision sowie das unmittelbare Verhältnis zwischen Künstler, Werkstoff und Raumordnung im Augenblick des Entstehens dokumentarisch sichert und für künftige Diskurse konserviert.



Fotos: Ralph Goertz © IKS-Medienarchiv

