Anthony Cragg
Tony Cragg. Parts of the world
Der britisch-deutsche Bildhauer Sir Tony Cragg (eigentlich Anthony Douglas Cragg, geboren am 9. April 1949 in Liverpool) nimmt in der zeitgenössischen Skulptur eine prägende Position ein, da sein Œuvre seit den 1970er Jahren von einer systematischen Erforschung der Materialität, Struktur und Formgenese bestimmt wird. Nach einer frühen Tätigkeit als Laborassistent und einem anschließenden Kunststudium unter anderem am Royal College of Art in London verlegte Cragg seinen Lebensmittelpunkt im Jahr 1977 nach Wuppertal. Dort gründete er später auch den international renommierten Skulpturenpark Waldfrieden. Neben seiner akademischen Lehrtätigkeit, die ihn ab 1979 an die Kunstakademie Düsseldorf führte – deren Rektorat er von 2009 bis 2013 innehatte –, wurde er für sein künstlerisches Schaffen vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Turner Prize im Jahr 1988 sowie der Ernennung zum Commander of the British Empire im Jahr 2002.
Craggs künstlerischer Ansatz bewegt sich im Spannungsfeld zwischen organischen Naturformen und technologischen, anthropogenen Artefakten. Durch den experimentellen Einsatz heterogener Werkstoffe – darunter Holz, Glas, Bronze, Gips sowie industrielle Materialien – hinterfragt er das Verhältnis von Material und Raum und erweitert den plastischen Diskurs um evolutionäre sowie physikalische Dimensionen.
Die visuelle Erfassung dieser komplexen bildhauerischen Praxis stellt die Kunstvermittlung vor spezifische methodische Herausforderungen, denen sich eine im Jahr 2016 unter der Regie von Ralph Goertz realisierter Dokumentarfilm widmet. Als Teil einer wissenschaftlich und dokumentarisch ausgerichteten Filmreihe leistet dieser Film einen substanziellen Beitrag zur Rekonstruktion künstlerischer Werkprozesse, indem er Cragg direkt in dessen Wuppertaler Atelierumfeld begleitet.
Die filmische Analyse fokussiert hierbei die Transformation des Rohmaterials und die inhärenten Gesetzmäßigkeiten der Formfindung. Durch die audiovisuelle Begleitung der unterschiedlichen Arbeitsphasen – von der ersten Skizze über das Modell bis hin zur finalen Ausführung – wird die enge Verknüpfung von kognitiver Konzeption und handwerklicher Praxis materiell erfassbar. Einen zentralen Fixpunkt dieser Untersuchung bildet die Einbindung der zeitgleich im Jahr 2016 stattgefundenen Retrospektive im Von der Heydt-Museum in Wuppertal. Diese institutionelle Ausstellung bot eine umfassende Plattform zur Reevaluierung seines Gesamtwerks, wobei die Dokumentation die Interaktion zwischen den plastischen Körpern, dem musealen Raum und den Rezipienten festhält.
Die erfolgreiche Realisierung dieses Projekts basierte maßgeblich auf einer engen Kooperation mit dem Künstler, dem wir ausdrücklich danken, auch für das uns entgegengebrachte Vertrauen, welches diese tiefen Einblicke in seine künstlerische Praxis erst ermöglichte.
Hier geht es zum Film!




Fotos: Isabel Hernandez / Ralph Goertz © IKS

