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Roger Ballen




Psychologische Topografien des Unbewussten: Das fotografische und filmische Werk von Roger Ballen

 

Der in New York geborene und in Südafrika lebende Künstler, Fotograf und Filmemacher Roger Ballen (geb. 1950) zählt zu den stilistisch prägendsten Akteuren der zeitgenössischen Fotografie. Seine tiefenpsychologisch aufgeladenen Arbeiten, die sich an den Schnittstellen von Dokumentation, bühnenhafter Inszenierung, Zeichnung und Skulptur bewegen, konstituieren eine eigenständige Ästhetik, die in der Kunstwissenschaft unter dem Begriff des „Ballenesque“ rezipiert wird. Im Mai 2016 widmete die Von der Heydt-Kunsthalle in Wuppertal dem Künstler eine umfassende Retrospektive. Die Werkschau versammelte über einhundert Schwarz-Weiß-Fotografien sowie mehrere filmische Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen und bot einen systematischen Einblick in das komplexe, von existenziellen und absurden Motiven geprägte Œuvre des Künstlers.

 

Am Rande dieser musealen Aufarbeitung erfolgte eine filmische Dokumentation des Künstlers vor Ort in Wuppertal. Im Rahmen dieses Projekts traf der Filmemacher und Direktor des IKS, Ralph Goertz, den Künstler zu einem exklusiven und tiefgehenden Videointerview. Die videografische Aufzeichnung fungiert als wesentliches zeithistorisches Dokument, das Ballens kunsttheoretische Reflexionen inmitten seiner raumgreifenden Bilderwelten konserviert und die methodischen sowie philosophischen Fundamente seiner Kunstpraxis wissenschaftlich zugänglich macht.

 

Im Fokus des wissenschaftlichen Diskurses standen dabei vor allem die formalen und konzeptionellen Übergänge innerhalb seines Gesamtschaffens. Ballen erörtert in der Dokumentation den systematischen Wandel von seinem frühen, soziologisch und dokumentarisch geprägten Blick auf die ländlichen Randgebiete Südafrikas hin zu einer rein metaphorischen, grafisch-theatralen Inszenierungsform. Das Konzept des „Ballenesque“ beschreibt in diesem Kontext eine psychologische Methode, bei der durch das kalkulierte Zusammenspiel von rohen Wandzeichnungen, Fragmenten von Körpern, Tieren und ephemeren Alltagsgegenständen das menschliche Unterbewusstsein im realen Raum externalisiert wird. Darüber hinaus thematisiert das Interview die wachsende Relevanz des Mediums Film in seinem neueren Schaffen. Das Bewegtbild dient dem Künstler als notwendige Erweiterung, um die statische Struktur der Fotografie aufzubrechen und die prozesshaften, kinetischen Dynamiken seiner psychologischen Topografien analytisch zu untersuchen.

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