Alec Soth
Soziotopografische Chroniken und der lyrische Dokumentarismus im Werk von Alec Soth
Der US-amerikanische Fotograf Alec Soth (geboren 1969 in Minneapolis, Minnesota) zählt als Vollmitglied der renommierten Agentur Magnum Photos zu den prägendsten Stimmen der zeitgenössischen internationalen Fotografie. In der kunsthistorischen Tradition von Robert Frank, Stephen Shore und Walker Evans verortet, widmet sich sein Œuvre einer tiefgründigen, epischen Kartierung der sozialen und gesellschaftlichen Landschaften Nordamerikas. Soths lyrischer Dokumentarismus, der oft auf dem Einsatz einer analogen Großformatkamera basiert, fängt mit außergewöhnlicher Sensibilität das alltägliche Leben, spirituelle Sehnsüchte und die Melancholie von Menschen am Rande der Gesellschaft ein. Seine subtilen Porträts und topografischen Landschaftsaufnahmen fungieren als visuelle Analysen des amerikanischen Versprechens und seiner realen Brüche, womit er sich einreiht neben wegweisende Chronisten der soziokulturellen Realität wie Michael Schmidt.
Ausstellung TWO RIVERS. Joachim Brohm / Alec Soth
Einen Meilenstein in der Erforschung dieser zeitgenössischen Bildsprache und ihrer europäisch-amerikanischen Wechselwirkungen bildete das wegweisende Ausstellungsprojekt „Two Rivers“, das vom 29. März bis zum 7. Juli 2019 im NRW-Forum Düsseldorf als Weltpremiere realisiert wurde. Die vom Leiter des IKS – Institut für Kunstdokumentation, Ralph Goertz, konzipierte und kuratierte Schau führte die bedeutendsten fotografischen Werkgruppen von Alec Soth mit dem Werk des deutschen Fotokünstlers Joachim Brohm zusammen. Im Epizentrum dieses intertextuellen Dialogs standen zwei epochale Flusslandschaftsstudien: Soths meisterhaftes Hauptwerk „Sleeping by the Mississippi“ (2000–2004) und Brohms international gefeierte, an der Folkwang Hochschule entstandene Serie „Ruhr“ (1980–1983). Beide Künstler eint in diesen Zyklen die Fokussierung auf die Lebenswelten der Menschen an den Uferperipherien der jeweiligen Ströme. Flankiert wurde diese Gegenüberstellung im NRW-Forum durch weitere korrespondierende Werkreihen, darunter „Songbook“ und „Niagara“ von Soth sowie „Ohio“, „Dessau Files“ und die erstmals präsentierte Porträtserie „Flash Ohio“ von Brohm, wodurch im internationalen Vergleich offengelegt wurde, wie unterschiedliche ökonomische und geografische Räume die Freizeitkultur, die Architektur und das kollektive Bewusstsein prägen.
Die prozessualen Hintergründe und die konzeptionelle Methodik von Alec Soth wurden im Zuge dieser kuratorischen Aufarbeitung intensiv filmisch dokumentiert. Der daraus resultierende Dokumentarfilm „Alec Soth - New American Photography“ (Laufzeit: 32 Minuten) unter der Regie von Ralph Goertz bietet der kunsthistorischen Forschung fundierte Einblicke in Soths künstlerische Praxis, sein bildtheoretisches Selbstverständnis und die Entstehung seiner wichtigsten Fotoserien. Das zeitgeschichtliche Filmdokument, welches das dichte Verhältnis von landschaftlicher Weite und individueller Isolation dekonstruiert, ist zur wissenschaftlichen Vermittlung und Erschließung der zeitgenössischen Fotografiegeschichte ab sofort auch digital über die Plattform Vimeo für die Öffentlichkeit und Forschung weltweit zugänglich.
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Fotos: Ralph Goertz © IKS-Medienarchiv

