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John Baldessari




Konzeptuelle Dekonstruktion und architektonischer Diskurs: John Baldessari im Museum Haus Lange

 

Der US-amerikanische Künstler John Baldessari (1931–2020) zählt zu den einflussreichsten Wegbereitern und Hauptvertretern der internationalen Konzeptkunst. Berühmt für seine medienübergreifende Praxis, die Malerei, Fotografie, Text und Video miteinander verknüpfte, widmete er sich zeitlebens der Erforschung von visuellen Zeichensystemen sowie der Dekonstruktion tradierter Sehgewohnheiten.

Im Jahr 2009 wurde Baldessari für ein ortsspezifisches Projekt in das von Ludwig Mies van der Rohe entworfene Museum Haus Lange nach Krefeld eingeladen. Unter dem Titel „Brick Bldg, Lg Windows w/ Xlent Views, Partially Furnished, Renowned Architect“ realisierte er dort eine fundamentale künstlerische Intervention, die das Verhältnis zwischen moderner Architektur, Transparenz und Raumwahrnehmung radikal hinterfragte. Baldessari blockierte die ikonischen, großflächigen Fensterfronten des Bauhaus-Gebäudes von außen mit monumentalen Backsteintapeten, während er im Innenraum kalifornische Landschaften und Lifestyle-Motive plakatierte, was zu einer vollkommenen Umkehrung von Innen- und Außenraum führte.

 

Das Entstehen dieser temporären Installation wurde in den finalen Phasen des Aufbaus von Ralph Goertz filmisch dokumentiert. In einem exklusiven Interview sprach er mit Baldessari über die theoretischen Fundamente seines Eingriffs. Baldessari reflektiert darin über die Bedingungen künstlerischer Interventionen in historisch aufgeladene Architekturen, den antithetischen Dialog zwischen Mies van der Rohes gläserner Moderne und der materiellen Schwere des Backsteins sowie über seine eigene, humorvoll-analytische Methode, das Publikum in ein erweitertes zeichenhaftes System – das „Baldessari-Universum“ – zu überführen.

 

Die Dokumentation leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur medienbasierten Rezeption und Archivierung eines Schlüsselmoments der jüngeren rheinischen Ausstellungsgeschichte.





Fotos: Ralph Goertz © IKS-Medienarchiv

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