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Institut für
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Timm Rautert




Timm Rautert (*1941) gilt als einer der einflussreichsten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit. Er hat die Entwicklung der zeitgenössischen Fotografie entscheidend geprägt, sowohl durch sein eigenes Werk als auch durch seine Pionierarbeit in der Ausbildung.

 

Ausbildung und berufliche Anfänge

 

Rautert wurde 1941 in Tuchel (Westpreußen) geboren, absolvierte aber zunächst eine handwerkliche Ausbildung zum Schaufensterausstatter und Maler. Seine künstlerische Entwicklung im Medium der Fotografie begann zwischen 1966 und 1971, als er an der renommierten Folkwang-Schule in Essen studierte. Dort wurde er Meisterschüler bei Otto Steinert.

 

Künstlerisches Schaffen und stilistische Entwicklung

 

Rauterts Werk zeichnet sich durch einen ständigen Wechsel zwischen dokumentarischen, journalistischen und konzeptuellen Ansätzen aus.

Bildanalytische Fotografie: Ab 1969 entwickelte er diese methodische Forschungsreihe. Dabei untersuchte er die Bedingungen der Fotografie selbst – wie Licht, Belichtung und chemische Prozesse das endgültige Bild prägen und wie Realität überhaupt erst durch die Kamera konstruiert wird.

 

Fotojournalismus (Die ZEITmagazin-Ära): In den 1970er- und 1980er-Jahren war er intensiv als freiberuflicher Fotojournalist tätig. Seine Zusammenarbeit mit dem Autor und Reporter Michael Holzach für das ZEITmagazin wurde legendär. Gemeinsam schufen sie Meilensteine des „visuellen Erzählens“, indem sie marginalisierte soziale Gruppen, Milieus und gesellschaftliche Realitäten auf ungeschönte und zugleich zutiefst humanistische Weise dokumentierten.

 

Der Wandel der Arbeitswelt: Ab Anfang der 1990er Jahre wandte sich Rautert vom traditionellen Journalismus ab. Er widmete sich langfristigen Fotoprojekten, die das Aufkommen computergesteuerter Automatisierung und Robotik in der industriellen Produktion dokumentierten (unter anderem in Werken wie Gehäuse des Unsichtbaren).

 

Seine Professur an der HGB Leipzig (1993–2008)

 

Ein zentrales Kapitel in Rauterts Biografie ist seine Lehrtätigkeit. Im Jahr 1993 nahm er eine Stelle an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) an, wo er bis 2008 den Lehrstuhl für Künstlerische Fotografie innehatte.

Rautert bewirkte eine nachhaltige Modernisierung des Lehrplans an der HGB, indem er die Kluft zwischen der klassischen ostdeutschen Dokumentationstradition und westlichen, konzeptuellen Ansätzen überbrückte. Seine Klasse wurde zu einer Talentschmiede für die internationale zeitgenössische Kunstszene. Zu seinen bekanntesten Studierenden zählen renommierte Künstler*innen wie Tobias Zielony, Ricarda Roggan und Göran Gnaudschun. Seine prägenden Jahre und die theoretischen Diskussionen mit seinen Studierenden dokumentierte er unter anderem in der hochgelobten Publikation „Retroactive Reality“.

 

In der Sammlung des IKS Photo befindet sich eine seiner berühmten Fotomappen "Vor aller Augen" von 2005, die er mit jeder seiner Abschlussklasse aufwendig produzierte.

 

Dokumentarischer Tribut

 

Die Vielschichtigkeit seines Lebenswerks – von frühen experimentellen Serien wie New York / Osaka (1969–1971) über seine berühmten Porträtserien bis hin zu seinen späteren Industriestudien – bildet die Grundlage für den 2021 erschienenen Dokumentarfilm von Ralph Goertz. Der Film beleuchtet genau diesen analytischen und forschenden Geist, der Timm Rautert zu einer Schlüsselfigur in der Geschichte der deutschen Fotografie macht.

 

Hier geht es zum Film!

 

Foto: Ralph Goertz © IKS-Medienarchiv 2018

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